Die erste Klarinette soll zum Unterricht, zur Musikrichtung und zur eigenen Hand passen, doch schon die Bezeichnungen sorgen oft für Verwirrung. Zwischen Es-Klarinette, B-Klarinette, A-Klarinette, Bassetthorn und Bassklarinette liegen deutliche Unterschiede bei Tonlage, Klang und Einsatzgebiet. Ich zeige dir, welche Klarinettenarten wirklich wichtig sind, wo ihre Stärken liegen und welches Instrument für Anfänger, Orchester, Blasorchester oder Jazz sinnvoll ist.
Von der hohen Es-Klarinette bis zur tiefen Kontrabassklarinette
- B-Klarinette ist das vielseitigste und meistgenutzte Modell.
- A-Klarinette und B-Klarinette gehören vor allem in der Klassik eng zusammen.
- Es-Klarinette liefert eine helle, durchsetzungsfähige hohe Lage.
- Bassklarinette und Kontrabassklarinette ergänzen Ensembles mit dunklen, tiefen Farben.
- Vor dem Kauf entscheidet nicht nur die Bauform, sondern auch das Griffsystem.

Die wichtigsten Klarinettenarten im schnellen Überblick
Die Klarinette gehört zu den Holzblasinstrumenten und erzeugt ihren Ton mit einem einfachen Rohrblatt. Je länger und weiter ihre Bohrung ist, desto tiefer klingt sie normalerweise. Anders als bei einer Blockflöte oder Querflöte gibt es deshalb nicht nur ein Standardinstrument, sondern eine ganze Familie mit verschiedenen Stimmungen und Größen.
| Instrument | Stimmung | Klang und typische Verwendung |
|---|---|---|
| Es-Klarinette | Es | Sehr hell, brillant und durchsetzungsfähig; Sinfonieorchester und Blasorchester |
| B-Klarinette | B beziehungsweise B♭ | Vielseitig und ausgewogen; Unterricht, Klassik, Jazz, Klezmer und Volksmusik |
| A-Klarinette | A | Warm und rund; klassische Orchester- und Kammermusik |
| Bassetthorn | Meist F | Weicher, dunkler Mittel- und Tiefton; Kammermusik und klassische Literatur |
| Altklarinette | Meist Es | Mittlere bis tiefe Lage; vor allem Blasorchester und spezielle Ensembles |
| Bassklarinette | B beziehungsweise B♭ | Voluminös und dunkel; Orchester, Blasorchester, Filmmusik und Jazz |
| Kontrabassklarinette | Meist B beziehungsweise B♭ | Sehr tiefe Klangfarbe; große Ensembles und zeitgenössische Musik |
Die Stimmung beschreibt dabei nicht einfach den Grundton, sondern das Verhältnis zwischen notiertem und tatsächlich klingendem Ton. Eine B-Klarinette klingt beispielsweise einen Ganzton tiefer, als die Noten notiert sind. Für die praktische Auswahl ist aber vor allem entscheidend, in welchem Ensemble das Instrument eingesetzt wird.
Warum die B-Klarinette für die meisten der beste Einstieg ist
Mit der B-Klarinette beginnen die meisten Schüler, weil sie einen großen musikalischen Einsatzbereich abdeckt. Sie funktioniert im Unterricht ebenso wie in der Blaskapelle, im Sinfonieorchester, im Jazzensemble oder in der Klezmermusik. Ich halte sie deshalb für die sinnvollste erste Wahl, sofern die Körpergröße und die Fingerreichweite passen.
Ihr Klang reicht von weich und dunkel im tiefen Register bis zu klar und strahlend in der Höhe. Diese große Bandbreite macht sie musikalisch interessant, verlangt aber auch eine saubere Atemführung. Gerade Anfänger unterschätzen oft, wie stark Mundstück, Rohrblatt und Ansatz den Ton beeinflussen.
Die A-Klarinette sieht der B-Klarinette sehr ähnlich und wird häufig von denselben Musikern gespielt. Sie klingt einen Halbton tiefer als die B-Klarinette und erleichtert dadurch bestimmte Tonarten in der klassischen Literatur. Bei vielen Orchesterwerken wechselt der Klarinettist zwischen beiden Instrumenten, damit schwierige Passagen technisch besser liegen.
Klanglich wird die A-Klarinette oft als etwas wärmer und runder beschrieben. Der Unterschied ist jedoch nicht immer riesig. In meiner Einschätzung wird die A-Klarinette von Einsteigern häufig überschätzt, weil sie kein universelles Ersatzinstrument für die B-Klarinette ist. Für den ersten Unterricht, Jazz oder Blasmusik reicht eine gute B-Klarinette in aller Regel aus.
Hohe Klarinetten bringen Glanz und Spannung
Die Es-Klarinette ist deutlich kleiner als die B-Klarinette und klingt entsprechend höher. Ihr Ton wirkt hell, scharf und sehr präsent. Im Sinfonieorchester verstärkt sie häufig die hohen Holzbläser, während sie im Blasorchester für brillante Oberstimmen und markante Effekte sorgt.
Gerade diese Durchsetzungskraft ist ihre Stärke, kann aber schnell anstrengend wirken, wenn sie schlecht intoniert oder zu laut gespielt wird. Eine Es-Klarinette ist deshalb selten das ideale Instrument für Anfänger. Sie verlangt eine gute Kontrolle von Ansatz, Luftdruck und Intonation, besonders im hohen Register.
Neben der Es-Klarinette existieren weitere hohe Modelle in D, C, G oder As. Viele davon sind heute Spezialinstrumente und werden nur in bestimmten historischen Werken, regionalen Musiktraditionen oder außergewöhnlichen Bläserbesetzungen verwendet. Für den normalen Musikschulalltag spielen sie kaum eine Rolle.
Wer hohe Klarinetten auf Bildern sieht, sollte außerdem zwischen einer Es-Klarinette und einer sogenannten Piccoloklarinette unterscheiden. Im Alltag werden die Begriffe teilweise uneinheitlich benutzt. Für die Auswahl zählt deshalb nicht allein der Name, sondern die konkrete Stimmung und die Literatur, für die das Instrument gedacht ist.
Tiefe Klarinetten verändern die Klangfarbe eines Ensembles
Die Bassklarinette ist nicht einfach eine größere B-Klarinette. Sie besitzt einen gebogenen S-Bogen, einen nach oben gerichteten Schallbecher und eine deutlich längere akustische Rohrstrecke. Dadurch entsteht ein dunkler, tragfähiger Klang, der zwischen Holzbläsern und tiefen Instrumenten vermittelt.
Im Sinfonieorchester übernimmt sie oft tiefe Gegenstimmen, verdoppelt Fagott- oder Violoncello-Linien und setzt besondere Klangfarben. In Blasorchestern kann sie das Fundament der Klarinettenfamilie bilden. Auch im Jazz wird sie gelegentlich solistisch eingesetzt, dort meist wegen ihres weichen, fast samtigen Tons.
Das Bassetthorn liegt klanglich zwischen der normalen Klarinette und der Bassklarinette. Es ist meistens in F gestimmt und besitzt eine tiefere, sehr charakteristische Lage. Mozart hat es prominent eingesetzt, doch auch in moderner Kammermusik findet man dieses Instrument. Der Name führt manchmal in die Irre, denn das Bassetthorn ist kein Horn, sondern ein Mitglied der Klarinettenfamilie.
Die Altklarinette liegt ebenfalls unterhalb der B-Klarinette, ist aber heute deutlich seltener zu sehen. Sie kommt vor allem in Blasorchestern und speziellen Ensemblebesetzungen vor. Noch tiefer reichen Kontra-Altklarinette und Kontrabassklarinette. Letztere ist groß, schwer und meist nur dann sinnvoll, wenn ein Ensemble die entsprechende Stimme tatsächlich besetzen kann.
Bei tiefen Klarinetten steigen nicht nur Größe und Gewicht, sondern auch die Anforderungen an Transport, Pflege und Budget. Eine Bassklarinette braucht einen stabilen Ständer und ein ausreichend großes Etui. Bei Kontrabassinstrumenten kommen hohe Anschaffungskosten und begrenzte Einsatzmöglichkeiten hinzu. Für private Anfänger sind sie deshalb normalerweise keine vernünftige erste Anschaffung.
Welche Klarinette passt zu welchem musikalischen Ziel
Die beste Wahl hängt weniger vom prestigeträchtigen Namen als vom geplanten Einsatz ab. Ich würde zuerst klären, wo und mit wem gespielt werden soll. Erst danach kommen Material, Marke und zusätzliche Mechanik ins Spiel.
| Musikalisches Ziel | Sinnvolle Wahl | Warum |
|---|---|---|
| Erster Unterricht | B-Klarinette | Gute Literaturauswahl, vielseitig und in Musikschulen etabliert |
| Sinfonieorchester | B-Klarinette und später A-Klarinette | Viele Werke verlangen den Wechsel zwischen beiden Stimmungen |
| Blasorchester | B-Klarinette, Es-Klarinette oder Bassklarinette | Je nach Register werden hohe, mittlere oder tiefe Stimmen gebraucht |
| Jazz und Klezmer | B-Klarinette, gelegentlich Bassklarinette | Flexibler Klang und gute Möglichkeiten für Melodie und Improvisation |
| Kammermusik mit dunkler Klangfarbe | A-Klarinette oder Bassetthorn | Weicher, runder und weniger schneidender Klang |
| Tiefe Ensemblefarben | Bassklarinette oder Kontrabassklarinette | Stützt den Gesamtklang und erweitert das Register nach unten |
Für Kinder mit kurzen Fingern kann eine speziell konstruierte Kinderklarinette oder eine kleinere C-Klarinette sinnvoll sein. Sie ersetzt die B-Klarinette nicht in jeder Unterrichtssituation, erleichtert aber den Einstieg, wenn die normalen Abstände noch nicht bequem erreichbar sind. Eine Lehrkraft sollte das Instrument vor dem Kauf in die Hand geben und nicht nur anhand eines Produktfotos beurteilen.
Bei den Griffsystemen stehen sich das deutsche System nach Oehler und das international verbreitete Böhm-System gegenüber. Beide können sehr gute Ergebnisse liefern, unterscheiden sich aber bei Klappenmechanik und Griffweise. In Deutschland und Österreich ist das deutsche System traditionell stark vertreten, während Böhm-Klarinetten international besonders verbreitet sind.
Die wichtigste Regel lautet deshalb: Kaufe das System, mit dem deine Lehrkraft und dein Ensemble arbeiten. Ein späterer Wechsel ist möglich, aber die Umgewöhnung betrifft mehr als nur einzelne Griffe. Das System sollte daher vor der Bestellung feststehen, noch vor der Entscheidung zwischen Holz und Kunststoff.
Material, Kosten und typische Fehlentscheidungen
Für Anfänger sind Kunststoffklarinetten oft pflegeleichter und unempfindlicher gegenüber schnellen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Holzklarinetten aus Grenadill oder vergleichbaren Hölzern können sehr nuanciert klingen, verlangen aber sorgfältige Pflege und regelmäßige Kontrolle durch eine Fachwerkstatt.
Für ein solides Einsteigerinstrument würde ich grob mit 500 bis 1.500 Euro rechnen, je nach System, Zustand und Ausstattung. Gebrauchte Instrumente können günstiger sein, benötigen aber eine Prüfung der Polster, Klappen und Korkverbindungen. Sehr billige Angebote wirken zunächst attraktiv, verursachen durch undichte Mechanik oder ein schlechtes Mundstück aber schnell zusätzliche Kosten.
Ein typischer Fehler ist, nur auf die Anzahl der Klappen oder auf einen möglichst niedrigen Preis zu achten. Entscheidend ist, ob das Instrument dicht ist, bequem in der Hand liegt und mit einem passenden Mundstück sowie geeigneten Blättern geliefert wird. Ich würde lieber ein einfaches, gut eingestelltes Modell wählen als eine aufwendig ausgestattete Klarinette mit schwergängiger Mechanik.
Auch das Rohrblatt verdient mehr Aufmerksamkeit, als es meistens bekommt. Zu harte Blätter erschweren Anfängern die Tonerzeugung, zu weiche Blätter führen oft zu einem instabilen und quäkenden Klang. Die passende Stärke hängt von Mundstück, Ansatz und Lehrmethode ab und sollte nicht blind nach einer allgemeinen Empfehlung gekauft werden.
Die passende Klarinettenart zeigt sich erst im musikalischen Alltag
Für die meisten Menschen beginnt die Klarinettenfamilie mit der B-Klarinette, und das aus gutem Grund. Sie verbindet eine überschaubare Bauform mit vielen Einsatzmöglichkeiten. A-Klarinette, Es-Klarinette, Bassetthorn und Bassklarinette werden interessant, sobald ein bestimmtes Orchesterregister, ein besonderer Klang oder ein konkretes Repertoire im Mittelpunkt steht.
Mein wichtigster Rat ist daher, die Entscheidung nicht allein nach Größe oder Preis zu treffen. Probiere das Instrument mit einer Lehrkraft aus, kläre das Griffsystem und überlege, in welchem Ensemble du in den nächsten Jahren spielen möchtest. So findest du nicht nur irgendeine Klarinette, sondern ein Blasinstrument, das musikalisch wirklich zu dir passt.