Die 70er-Jahre liefern bei Frauenbands kein einheitliches Bild, sondern ein breites Spektrum aus Rock, Punk, Post-Punk, Disco und Vokalgruppen. Genau deshalb lohnt sich ein sauber sortierter Überblick: Wer die wichtigsten Namen kennt, versteht nicht nur die Musik selbst, sondern auch, wie sich Klang, Rollenbilder und Produktionsästhetik in diesem Jahrzehnt verschoben haben. Ich trenne die Beispiele bewusst nach Stil und historischer Bedeutung, damit aus einer bloßen Namensliste ein brauchbarer musikalischer Kompass wird.
Die wichtigsten 70er-Jahre-Frauenbands auf einen Blick
- Im engen Sinn meint die Suche vor allem all-female Bands aus Rock, Punk und New Wave.
- Im weiteren Sinn gehören auch weiblich geprägte Disco- und Vocal-Gruppen dazu, weil sie den Sound der 70er stark mitbestimmt haben.
- Für eine erste Orientierung sind Fanny, The Runaways, The Slits, The Raincoats und Girlschool die wichtigsten Rock- und Punk-Namen.
- Für den deutschsprachigen Raum sind Silver Convention und Baccara besonders relevant, weil sie den Pop- und Disco-Kontext der Zeit gut abbilden.
- Wer die Ära wirklich verstehen will, sollte nicht nur Hits sammeln, sondern auch auf Arrangement, Energie, Studioästhetik und Szene-Einfluss achten.
Was mit Frauenbands der 70er wirklich gemeint ist
Der Begriff ist historisch unscharf. In den 70ern wurden sehr unterschiedliche Formate unter einen Hut gesteckt: klassische Rockbands mit Instrumentalistinnen, Punkgruppen mit DIY-Ansatz, reine Gesangsformationen und Disco-Projekte, bei denen Frauen die sichtbare und hörbare Spitze bildeten. Wenn ich das sauber einordne, wird sofort klar, warum manche Listen sehr rocklastig sind, während andere eher aus Pop- und Dance-Acts bestehen.Für eine sinnvolle Einordnung trenne ich deshalb zwischen all-female Bands im engeren Sinn und weiblich dominierten Gruppen im weiteren Sinn. Diese Unterscheidung ist nicht akademisch, sondern praktisch: Wer nach Gitarrenriffs, Schlagzeugdruck und Bandchemie sucht, will etwas anderes hören als jemand, der Disco-Hooks, Harmonien und radiotaugliche Refrains vergleichen möchte. Genau aus dieser Spannung ergibt sich der Reiz der 70er-Szene, und sie führt direkt zur eigentlichen Liste.
Die Liste, die ich für den Einstieg bauen würde

Wenn ich eine kompakte, aber belastbare Auswahl zusammenstelle, beginne ich mit den Acts, die entweder stilprägend waren oder späteren Generationen eine hörbare Spur hinterlassen haben. Für Rock, Punk und New Wave ist die Auswahl klar anders als für Disco und Vocal Pop, deshalb trenne ich die Namen bewusst in zwei Gruppen.
Rock, punk und New Wave
| Gruppe | Herkunft | Stil | Warum sie wichtig ist |
|---|---|---|---|
| Fanny | USA | Rock, Hard Rock | Eine der frühesten all-female Rockbands mit Major-Label-Präsenz; ihr Sound zeigt, dass Frauen nicht nur singen, sondern auch hart und präzise rocken konnten. |
| The Deadly Nightshade | USA | Rock, Country Rock, Folk Rock | Wichtig als frühe Frauenband mit feministischer Perspektive und einem Mix aus Americana, Harmoniegesang und klarer Haltung. |
| The Runaways | USA | Hard Rock, Glam Punk | Der wahrscheinlich bekannteste 70er-Frauenrock-Act; jung, laut und ein direkter Vorläufer vieler späterer Punk- und Riot-Grrrl-Impulse. |
| The Slits | Großbritannien | Punk, Post-Punk, Reggae-Einfluss | Roh, experimentell und stilistisch eigenständig; wichtig, weil sie Punk nicht nur kopierten, sondern den Sound aktiv aufbrachen. |
| The Raincoats | Großbritannien | Post-Punk, Art Punk | Ein Referenzpunkt für DIY-Ästhetik, unpolierte Intuition und experimentelle Songformen, die später in Indie und Alternative weiterwirkten. |
| The Dishrags | Kanada | Punk Rock | Eine der frühen kanadischen Frauen-Punkbands; ihr Wert liegt weniger in großen Charts als in der Szene-Wirkung. |
| The B-Girls | Kanada | Punk-Pop | Spannend, weil hier 60er-Girl-Group-Harmonien auf 70er-Punk-Energie treffen; genau solche Mischungen machen die Ära so hörenswert. |
| Girlschool | Großbritannien | Hard Rock, Heavy Metal | Der Beweis, dass all-female Bands auch im Metal nicht exotisch, sondern überzeugend und langlebig sein können. |
| Mo-Dettes | Großbritannien | Post-Punk | Eine kluge, kantige Band aus dem späten Jahrzehnt, die den Übergang vom Punk zur kunstvolleren Post-Punk-Sprache gut zeigt. |
Diese acht Namen decken das Kernfeld ab, wenn man die 70er aus der Perspektive von Rock- und Gitarrenmusik betrachtet. Wer nur einen Teil davon kennt, übersieht schnell, wie unterschiedlich Frauen in dieser Dekade klingen konnten, und genau deshalb lohnt der Blick auf die zweite Gruppe.
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Pop und Disco
| Gruppe | Herkunft | Stil | Warum sie wichtig ist |
|---|---|---|---|
| Silver Convention | Deutschland | Euro Disco | Für das deutsche Publikum fast unverzichtbar, weil sie zeigen, wie stark München und die deutsche Studioproduktion den Disco-Sound mitgeprägt haben. |
| Baccara | Spanien | Disco-Pop | Ein Duo statt einer klassischen Band, aber in vielen 70er-Listen präsent, weil es den glamourösen, stark rhythmischen Pop der Zeit perfekt verkörpert. |
| Sister Sledge | USA | Soul, Disco, Pop | Familiengesang mit starker Gruppenidentität; besonders relevant, wenn man den Übergang von Soul zu Disco nachvollziehen will. |
Diese drei Acts sind im engeren Rock-Sinn nicht immer „Bands“, aber sie gehören in jede ehrliche Liste, sobald der Begriff weiter gefasst wird. Gerade im Pop und Disco ist das Verhältnis von Stimme, Arrangement und Studioklang oft der eigentliche Kern der Geschichte, und damit sind wir schon bei der nächsten Frage: Warum haben diese Gruppen bis heute Gewicht?
Warum diese Gruppen kulturell mehr verändert haben als nur die Charts
Die wichtigste Leistung dieser Acts war nicht bloß ein Hit oder ein gutes Bühnenbild. Sie haben gezeigt, dass Frauen in sehr unterschiedlichen Rollen funktionieren konnten: als Gitarristinnen, Schlagzeugerinnen, Songwriterinnen, Frontstimmen, Arrangeurinnen und prägende Figuren einer Szene. Das klingt heute selbstverständlich, war in den 70ern aber oft ein direkter Gegenentwurf zu den Erwartungen der Musikindustrie.
Ich sehe dabei drei Ebenen. Erstens verschob sich die sichtbare Rollenverteilung: Frauen standen nicht mehr nur als Solistinnen oder Backgroundstimmen im Raum, sondern als komplettes Kollektiv. Zweitens änderte sich die Ästhetik: Der rohe Band-Sound von Punk und die präzise, glatte Produktion von Disco waren zwei sehr unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage, nämlich wie weibliche Präsenz im Pop überhaupt klingen darf. Drittens entstand eine Vorbildfunktion, die später für Indie, Alternative, Metal und Riot Grrrl enorm wichtig wurde. Genau an dieser Stelle wird aus Musikgeschichte Kulturgeschichte.
Was ich beim Hören und Vergleichen immer prüfe
Wenn ich solche Gruppen nicht nur sammle, sondern wirklich höre, achte ich auf ein paar konkrete Dinge. Der Unterschied zwischen einer guten und einer wirklich hilfreichen Liste liegt meist in diesen Details:
- Stimmenverteilung - Singt eine Person dominant oder arbeiten die Songs mit gleichwertigen Leads und Harmonien?
- Gitarren- und Bassbild - Ist der Sound trocken und direkt wie bei Punk, oder eher rund und tanzbar wie bei Disco?
- Schlagzeug und Groove - Treibt der Beat aggressiv nach vorne oder baut er einen lockeren, clubtauglichen Puls auf?
- Produktion - Wirkt die Aufnahme roh und live oder stark geschichtet und studioorientiert?
- Songstruktur - Setzt die Band auf kurze Hooks, auf Riffs oder auf experimentelle Formen?
- Szene-Effekt - War die Gruppe ein isolierter Einzelname oder Teil eines größeren kulturellen Umbruchs?
Gerade für Musiker und Produzenten ist das nützlich, weil sich an diesen Punkten Produktionsentscheidungen ablesen lassen. Eine Band wie The Slits lehrt etwas anderes als Silver Convention, und genau dieser Kontrast macht die 70er interessant. Wer das im Ohr behält, baut nicht nur eine Playlist, sondern entwickelt ein besseres Gefühl für Arrangement und Klangsprache.
Wie ich aus der Liste eine brauchbare Hörreihenfolge mache
Eine Sammlung von Namen wird erst dann wirklich nützlich, wenn sie in eine sinnvolle Hörroute übersetzt wird. Ich würde deshalb nicht zufällig springen, sondern mit einer Reihenfolge arbeiten, die historische Entwicklung und Klangvielfalt sichtbar macht.
- Fanny - als Einstieg in den frühen 70er-Rock mit klarer Bandstruktur und starkem Songwriting.
- The Runaways - wenn du härtere Kanten, Teenage-Energie und Glam-Punk-Echo hören willst.
- The Slits - als Bruch mit Erwartungen, besonders wegen des Punk-Reggae-Charakters.
- The Raincoats - für die experimentellere, introvertiertere Post-Punk-Seite.
- Girlschool - um zu hören, wie Frauen im Hard Rock und später im Metal selbstverständlich auftreten.
- Silver Convention - für den deutschen Disco-Kontext und die Studioästhetik der Zeit.
- Baccara - wenn du den glänzenden, sehr direkten Euro-Disco-Pop im Ohr haben willst.
- Sister Sledge - um zu verstehen, wie Soul, Pop und Disco in einem Gruppenklang zusammenfinden.
So entsteht eine Route vom rauen Band-Sound bis zum glatten Studio-Glanz, ohne dass die 70er auf einen einzigen Stil reduziert werden. Wenn du die Liste später erweitern willst, würde ich zuerst nach ähnlichen Szenen suchen und erst danach nach einzelnen Hits, denn genau dort liegt oft die spannendere Musik.
Für eine gute erste Orientierung reichen diese Namen völlig aus, solange du sie nicht als starre Schablone behandelst. Die 70er waren kein einheitliches Kapitel, sondern ein Jahrzehnt, in dem Frauen in sehr unterschiedlichen Genres hörbar und sichtbar wurden. Wer das mitdenkt, bekommt aus einer einfachen Liste nicht nur Namen, sondern ein klareres Bild von Musikszene, Produktion und Kultur.