Wer Musik hören möchte, ohne von der Umgebung abgeschnitten zu sein, landet schnell bei den Bose Ultra Open Earbuds. Der folgende Test bewertet Klang, Tragekomfort, Akkulaufzeit und Bedienung und zeigt besonders, ob das offene Konzept auch für Studioarbeit und Musikproduktion taugt.
Die Bose Ultra Open Earbuds überzeugen vor allem als komfortable Alltagsbegleiter
- Offenes Design: Umgebungsgeräusche bleiben vollständig hörbar.
- Klang: Warm und angenehm, aber mit begrenztem Tiefbass.
- Komfort: Sehr leicht und auch mit Brille bequem tragbar.
- Akku: Offiziell bis zu 7 Stunden, im Praxistest teils rund 9 Stunden.
- Studioeinsatz: Für Monitoring und Mixing nur eingeschränkt geeignet.

Was das offene Konzept im Alltag wirklich bringt
Die Bose Ultra Open Earbuds sitzen nicht im Gehörgang, sondern werden wie eine kleine Manschette an der Ohrmuschel befestigt. Ein flexibler Bügel verbindet den Lautsprecher mit dem Akku-Zylinder hinter dem Ohr. Dadurch bleibt der Gehörgang frei und ich kann Gespräche, Verkehr oder Signale im Proberaum weiterhin wahrnehmen.
Das ist der große Vorteil gegenüber klassischen In-Ears. Beim Radfahren, Spazierengehen, Arbeiten im Büro oder beim Produzieren neben anderen Personen muss ich die Kopfhörer nicht ständig abnehmen. Eine aktive Geräuschunterdrückung gibt es allerdings nicht. In Bahn, Flugzeug oder lauter Werkstatt setzt sich die Musik deshalb nur schwer gegen die Umgebung durch.
Sicherer Sitz mit ungewöhnlicher Form
Die Konstruktion wirkt zunächst auffällig, sitzt bei passender Position aber erstaunlich stabil. Besonders angenehm finde ich, dass kein Druck im Ohrkanal entsteht. Auch mit Brille funktionieren die Earbuds meist gut, wobei die individuelle Form der Ohrmuschel eine Rolle spielt.
Für intensive Sportarten sind sie nicht automatisch die beste Wahl. Bei schnellen Bewegungen können sie leicht wackeln, während Modelle mit Ohrbügel oder Nackenband oft noch sicherer sitzen. Die Schutzklasse IPX4 schützt vor Schweiß und leichtem Regen, nicht aber vor Staub oder dem vollständigen Eintauchen in Wasser.
Der Klang ist für offene Earbuds stark, ersetzt aber keinen Studiokopfhörer
Im Vergleich zu vielen anderen Open-Ear-Modellen liefern die Bose einen erstaunlich erwachsenen Klang. Stimmen und akustische Instrumente wirken angenehm präsent, die Höhen bleiben überwiegend sauber und das gesamte Klangbild spielt eher warm und ausgewogen als aggressiv.
Die offene Bauweise setzt dem Bass jedoch klare Grenzen. Der Grundton ist vorhanden, aber tiefer Subbass fehlt deutlich. Das fällt bei elektronischer Musik, Hip-Hop, großen Kicks und tief gestimmten Gitarren schneller auf als bei Podcasts, Pop oder Singer-Songwriter-Aufnahmen. Je nach Sitz und Ohrform kann der Bass außerdem hörbar schwanken.
Die Bose-App bietet einen einfachen Drei-Band-Equalizer. Damit lässt sich der Klang etwas anpassen, aber kein fehlendes Bassfundament herbeizaubern. Der Immersive-Audio-Modus erzeugt mit Head-Tracking einen räumlicheren Eindruck. Für Filme und atmosphärische Musik ist das interessant, bei kritischem Musikhören verfälscht es die Beurteilung jedoch eher.
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Warum die Mitten für Produzenten entscheidend sind
In unabhängigen Praxistests wurden gelegentlich leicht unsaubere Mitten und etwas nasale Stimmen beschrieben. Diese Schwäche ist für den Alltag nicht dramatisch, im Studio aber relevant. Gerade im Bereich zwischen etwa 500 Hz und 2 kHz entscheidet sich, ob Gesang, Snare, Gitarren und wichtige Synthesizer klar voneinander getrennt wirken.
Ich würde die Ultra Open Earbuds deshalb zum Gegenhören, für Arrangement-Arbeiten und beim Schneiden von Sprachaufnahmen einsetzen. Für Mixing, Mastering oder die Beurteilung von Kick und Subbass sind sie keine verlässliche Hauptabhöre. Bluetooth bringt zusätzlich eine variable Latenz mit. Beim Einspielen von MIDI oder beim Aufnehmen von Gesang kann dadurch ein spürbarer zeitlicher Versatz entstehen.
| Einsatz | Eignung | Meine Einschätzung |
|---|---|---|
| Podcasts und Videos | Sehr gut | Klare Sprachwiedergabe und kein Druck im Ohr |
| Musikhören im Büro | Sehr gut | Umgebung bleibt hörbar, Klang ist angenehm |
| Arrangement und Schnitt | Gut | Praktisch für lange Sessions und Sprachmaterial |
| Aufnahme-Monitoring | Schwach | Bluetooth-Latenz und offener Klang stören |
| Mixing und Mastering | Nicht empfohlen | Zu wenig Tiefbass und keine akustische Isolation |
Komfort, Bedienung und Verbindung im Praxiseinsatz
Der Tragekomfort ist die größte Stärke des Modells. Mit rund 6 bis 7 Gramm pro Earbud sind die Hörer leicht genug für lange Arbeitstage. Weil kein Silikonstöpsel den Gehörgang verschließt, entsteht auch nach mehreren Stunden weniger Wärmegefühl als bei vielen In-Ears.
Die Bedienung erfolgt über kleine physische Tasten. Das ist beim Sport praktisch, weil ein Druck zuverlässiger funktioniert als eine Touch-Fläche. Gleichzeitig liegen mehrere Funktionen auf denselben Tasten. Lautstärke, Wiedergabe, Anrufe und der Wechsel zwischen Modi benötigen etwas Eingewöhnung.
Über die Bose-App lassen sich Klang, Shortcuts und Immersive Audio konfigurieren. Ein Firmware-Update hat außerdem Bluetooth-Multipoint ergänzt. Damit können zwei Geräte gleichzeitig verbunden sein, etwa ein Smartphone und ein Laptop. Das ist für Musiker hilfreich, die zwischen DAW, Telefon und Referenzmusik wechseln.
Die Bluetooth-Reichweite fällt in der Praxis stark aus. Dicke Wände sind zwar kein Grund für völlige Aussetzer, dennoch sollte man bei professioneller Audioarbeit nicht allein auf die Funkverbindung vertrauen. Für kritische Sessions bleiben kabelgebundene Kopfhörer die planbarere Lösung.
Akku, Telefonie und tägliche Belastbarkeit
Bose nennt eine Laufzeit von bis zu 7 Stunden. Je nach Lautstärke und aktiviertem Immersive Audio kann sie niedriger ausfallen. In verschiedenen Praxismessungen liefen die Earbuds unter günstigen Bedingungen ungefähr 9 Stunden, was für einen Arbeitstag meist ausreicht.
Eine Schnellladung von etwa 10 Minuten soll rund 2 Stunden zusätzliche Wiedergabe ermöglichen. Das Ladeetui wird per USB-C geladen und bleibt angenehm kompakt. Kabelloses Laden gehört nicht zu den wichtigsten Ausstattungsmerkmalen dieses Modells, was angesichts des hohen Preises ein kleiner Nachteil ist.
Für Telefonate in ruhiger Umgebung reicht das integrierte Mikrofon aus. Bei Wind, Verkehr oder starkem Raumhall sinkt die Sprachqualität jedoch deutlich. Wer regelmäßig draußen telefoniert oder Online-Meetings mit hoher Sprachverständlichkeit führt, sollte ein separates Mikrofon oder ein Headset mit besserer Geräuschunterdrückung einplanen.
Preis und Alternativen im deutschen Markt
Der offizielle Preis liegt bei 349,95 Euro. Im deutschen Handel waren die Earbuds zuletzt häufig deutlich günstiger für etwa 180 bis 250 Euro erhältlich. In diesem Bereich wird das Angebot interessanter, denn zum vollen Listenpreis bezahlt man vor allem das besondere Design und den hohen Komfort.
| Option | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|
| Bose Ultra Open Earbuds | Komfort, Klang für Open-Ear, Multipoint | Teuer, wenig Tiefbass, mäßiges Mikrofon |
| Geschlossene Studio-Kopfhörer | Isolation, kräftiger Bass, präzises Monitoring | Wärmer, weniger Umgebungsbewusstsein |
| Offene Studio-Kopfhörer | Räumlichkeit und natürliche Mitten | Schall tritt aus, nicht für unterwegs |
| Günstige Open-Ear-Modelle | Niedriger Preis und oft längere Akkulaufzeit | Klang und Verarbeitung meist weniger konstant |
Wer ausschließlich beim Joggen oder Pendeln die Umgebung hören möchte, findet inzwischen preiswertere Alternativen. Die Bose lohnen sich vor allem dann, wenn langes, druckfreies Tragen wichtiger ist als maximaler Bass oder absolute Klangneutralität.
Mein Urteil für Musiker und anspruchsvolle Hörer
Die Bose Ultra Open Earbuds sind keine Studioabhöre, sondern hochwertige offene Alltagskopfhörer mit ungewöhnlich gutem Komfort. Für Podcasts, Referenzmusik, Büroarbeit und kreative Sessions ohne akustische Isolation funktionieren sie überzeugend. Ihre Grenzen liegen bei Tiefbass, Sprachqualität in lauter Umgebung und Bluetooth-Latenz.
Ich würde sie Musikern empfehlen, die beim Arbeiten ansprechenden Klang hören und gleichzeitig ihre Umgebung wahrnehmen möchten. Für Aufnahme, Mixing und Mastering bleibt ein kabelgebundener Studio-Kopfhörer die bessere Wahl. Kaufen würde ich die Bose vor allem bei einem Straßenpreis um 200 Euro, nicht zum unveränderten Listenpreis.